Atmosphäre und Nervenkitzel beim „Ascot des Odenwalds“

Er gehört zu Südhessens größtem Volksfest dazu wie Böllerschüsse, Feuerwerk und Riesenrad: der Pferderenntag des Odenwälder Rennvereins Erbach. Die Rennen werden am zweiten Wiesenmarktssonntag auf der direkt neben dem Festgelände gelegenen Rennbahn ausgetragen.

Höhepunkte des Erbacher Renntags wird das Reitpferdrennen über 1.000 Meter sein; es findet deshalb stets so große Aufmerksamkeit beim einheimischen Publikum, weil sowohl die Reiter als auch deren Pferde aus der Odenwaldregion stammen – etwas Lokalpatriotismus ist erlaubt und steht nicht im Widerspruch zu der liebevollen Bezeichnung, die sich für den Renntag in Erbach eingebürgert hat: das „Ascot des Odenwalds“. Tatsächlich sichtet man Jahr für Jahr elegant „behütete“ Damen, und die Erbacher Rennbahn ist immerhin neben der von Frankfurt-Niederrad die einzige Galopprennbahn in Hessen. Im vergangenen Jahr verfolgten 2.500 Besucher von den Tribünen und Stehplätzen aus das Renngeschehen – das übrigens auch auf den Bildschirmen an den Totalisatorengebäuden verfolgt werden kann -, und sie machten regen Gebrauch von der Möglichkeit des Wettenschließens: Der Totalisatorenumsatz betrug 2011 rund 60.000 Euro – Beweis genug, dass neben der tollen Atmosphäre auch der Nervenkitzel beim Publikum gut ankommt. Die steigenden Quoten haben außerdem dafür gesorgt, dass die bundesweite Außenwette für das Pferderennen fortgesetzt wird. Auch lockt gleich nach dem letzten Rennen die Verlosung einer Reise für zwei Renntagsbesucher. Jede Eintrittskarten-Nummer kann gewinnen, der Reise-Gutschein allerdings nur persönlich in Empfang genommen werden – es lohnt sich also, bis zum Schluss dabei zu sein!

Kleiner Rückblick auf die Geschichte der Erbacher Pferderennen: Auch wenn öffentliche Pferde-Vollblutrennen erstmals beim Erbacher Wiesenmarkt von 1929 stattfanden, so gab es seit 1910 doch schon Vorläufer in Form der so genannten „Bauernrennen“, die auch als „Ländliches Trabreiten“ bezeichnet wurden. Da viele Odenwälder Landwirte sich auch der Pferdezucht widmeten, lag es nahe, dass sich die jungen Leute im Wettkampf auf dem Rücken der Pferde messen wollten. Der 1911 gegründete Odenwälder Reiter-Verein, der im vergangenen Jahr sein 100jähriges Jubiläum feierte, fand dann in Erbgraf Alexander zu Erbach-Erbach eine engagierte Unterstützung in dem Bestreben, diese Rennen in öffentlicher Austragung und mit Totalisatoreneinsatz durchzuführen. 1927 wurde die Erbacher Pferderennbahn von der deutschen Rennsportbehörde offiziell für den öffentlichen Vollblutsport anerkannt und zugelassen, wodurch auch der Wettbetrieb ermöglicht war. Beim ersten Wiesenmarkt-Renntag 1929 lagen die Anfänge der Erbacher Pferderennen allerdings schon fast zwanzig Jahre zurück.

Hundebesitzer werden um Verständnis gebeten, dass das Mitführen ihrer Vierbeiner auf dem Rennbahngelände nicht gestattet ist.

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